Spanien wird Eurozone entscheiden

Sofort nach der Entscheidung Irlands sich unter den Euro-Rettungsschirm zu begeben, haben sich die Marktteilnehmer schon auf Portugal und Spanien eingeschossen. Das Dominospiel wird also munter weitergehen und die Europäische Zentralbank und die Euro-Garanten an ihre Belastungsgrenze zwingen.

Für Portugal ist die Refinanzierung über den Euro-Rettungsschirm attraktiver, als zu den Marktkonditionen. Ich gehe daher davon aus, dass auch Portugal in den nächsten Wochen seinen wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum verlieren wird und unter das Diktat der EU und des IWF fallen wird. Es ist auch hier damit zu rechnen, dass die Strukturanpassungsprogramme des IWF gnadenlos umgesetzt werden. Der eigentliche Konstruktionsfehler des Euro ist nunmehr kaum noch zu übersehen. Eine einzige Währung und somit ein gemeinsames Zinsniveau wurden über weitgehend inhomogene Volkswirtschaften gestülpt, ohne gleichzeitig die steuerlichen, budgetären und ordnungspolitischen Rahmenbedingungen ebenfalls zu harmonisieren. Dadurch kam es zu dramatischen Fehlentwicklungen auf der Ebene einzelner Staaten, die von der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank jahrelang konsequent ignoriert wurden.

Es gibt keine klare Rettungsstrategie und selbst ein kühler Kopf wie Bundesbank-Chef Weber stellt plötzlich die Ausweitung des Euro-Rettungsschirmes in Aussicht, falls der alte nicht halten sollte. Der spanische Regierungschef Zapatero warnt dagegen bereits die internationalen Kapitaleigner, deren Gelder er dringend bräuchte, vor Spekulationen gegen Spanien. Die Interessen der Geldgeber sind dabei auch völlig klar. Die Marktteilnehmer nutzen die Garantien aus und streichen hohe Gewinne ein und in Brüssel reibt man sich die Hände, da der Einfluss der Bürokraten in der Eurozone dadurch steigen wird. Was eine EU Verfassung nicht erreicht hat, das erreichen die Finanzmärkte durch Druck von aussen, ohne dass man sich die Hände schmutzig machen muss!

Das Großkapital will konsequente Sanierungsschritte für die Staats-Haushalte, klare Regularien und fest definierte Spielregeln für die Euro-Mitgliedschaft eines Landes sehen. Darüber hinaus müssen klare Schritte und Zeithorizonte zur Harmonisierung der Eurozone in Bezug auf Wirtschafts- und Steuerpolitik eingeleitet werden. Sie erwarten die Erarbeitung von neuen Geschäftsmodellen für die Länder, deren alte Modelle gerade zusammengebrochen sind. Der Zusammenbruch des monströsen spanischen Immobiliensektors hat nur verbrannte Erde zurückgelassen. Die Arbeitslosigkeit liegt aktuell bei 20 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei 30 Prozent und die Minderverdienenden betragen nunmehr 50 Prozent. Der gesamte Bankensektor ist nur oberflächlich stabil und die bisherigen Reformansätze sind bezogen auf die Dramatik der Situation fast schon ein Witz. Die Zahlen, die uns vorgegaukelt werden sind nicht belastbar, man erinnere sich nur an den letzten Bankenstresstest, bei dem auch die Irischen Banken bestens abgeschnitten hatten. Das große Misstrauen der Investoren gegenüber Spanien ist somit verständlich, denn nichts ist mehr Sicher. Sollte der Druck auf Spanien, das immerhin 12 Prozent der Eurozone repräsentiert, weiter zunehmen, kann es nur zwei Optionen geben. Entweder wir gehen den finale Schritt hin zu einer Transferunion bei der es nur noch wenige Nettozahler gibt, allen voran Deutschland. Oder das Auseinanderbrechen des Euros in faktisch zwei Währungen, einen Kern- und Peripherie-Euro. Die zweite Variante ist politisch kaum durchsetzbar, also wird es wohl auf Variante 1 hinauslaufen und Deutschland wird ewiger Nettozahler bleiben. In der Folge werden sich auch die Refinanzierungskonditionen der Geberländer spürbar erhöhen. Der Außenwert des Euro bleibt allerdings ein eher geringes Problem, da sich der Euro mit dem Dollar und dem Yen in „guter Gesellschaft“ befindet und ebenfalls im Gleichschritt mit ihnen fallen wird. In Europa werden wir wohl eine zunehmend angespannte Stimmung erleben, da sowohl die Geberländer als auch die sich unter dem Diktat der Bürokraten in Brüssel und des IWF befindenden Nehmerländer ihre jeweilige Situation als zutiefst ungerecht empfinden werden.

Für Baufinanzierungskunden ändert sich somit vorerst nichts. Die Baugeld-Zinsen sind für längere Laufzeiten zwar zuletzt schon gestiegen, allerdings sind die Finanzierungszinsen im langjährigen Vergleich aber immer noch extrem günstig. Es ist also empfehlenswert nicht weiter auf sinkende Baugeldzinsen zu spekulieren, sondern die Finanzierungs-Konditionen jetzt festzuschreiben. Die Tilgung sollte hierbei bei 2 Prozent oder darüber liegen. Achten Sie auch darauf, dass Sie Sondertilgungen leisten können.

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