Zinsmarkt dreht endgültig nach oben

Seit einigen Wochen steigen die Kapitalmarktzinsen bereits sowohl in den USA, also auch in Europa. Im Sommer 2010 hatte noch die Befürchtung vor einem erneuten Rückfall der USA in die Rezession die langfristigen Zinsen auf historische Tiefstände gedrückt.

Seit September 2010 kam es zu einem Stimmungsumschwung, der sehr beachtlich ist. Die US-Notenbank hatte damals angekündigt, dass sie alles dafür tun würde, das Schreckgespenst der Deflation zu vertreiben. Riesige Aufkaufprogramme und tiefe Leitzinsen für US-Staatsanleihen und dazu noch Steuersenkungsprogramme sollten die US-Wirtschaft endgültig zurück auf einen Wachstumskurs führen. Die Marktteilnehmer hatten diese Ankündigung so verstanden, als dass die US-Notenbank erst ruhen wird, sofern sie die Geldmenge aufgebläht und dadurch Inflation erzeugt hat. Es scheint so, als ob die US-Notenbank seit diesem Zeitpunkt der alleinige Aufkäufer für US-Staatsanleihen gewesen ist.

Alle anderen Marktteilnehmer scheinen dagegen, aus Angst vor großen Wertverlusten ihre Bestände abzubauen. Ferner steigen die Zweifel an der Kreditqualität der USA. Es herrscht Sorge, dass die riesigen Budgetdefizite der Regierung Obama nicht zu Prosperität führen könnten. Das ist für einen späteren Konsolidierungskurs der US-Staatsfinanzen aber dringend geboten. Steigende Zinsen in den USA führen aber auch zu höheren Zinsen im Euroland. Obendrein kommt in der Eurozone noch die intensive Diskussion über die mittelfristige Finanzierung der Defizite und die Lastenverteilung innerhalb der Währungsunion.

Die Verwässerung der deutschen Bonität ist wahrscheinlich nicht abzuwenden, wenn Deutschland nicht als der unsolidarische Widersacher der Gemeinschaftswährung gelten möchte. Am Ende hat wohl nicht der Schuldner, sondern der Gläubiger das größere Problem und der deutsche Steuerzahler wird wieder kräftig zur Kasse gebeten. Eine Umschuldung, also Neuverhandlung der PIIGS Staaten scheint sehr wahrscheinlich und nur eine Frage der Zeitachse zu sein. Dieses Risiko lässt die Risikoaufschläge für Bundesanleihen unterdessen auch für lange Laufzeiten ansteigen. Die Schuldenkrise bahnt sich also seinen Weg und die Notenbanken verlieren zunehmend die Kontrolle über die Entwicklung der langfristigen Finanzierungszinsen, selbst wenn die Geldmarktzinsen tief halten werden. Die Tiefstände am Zinsmarkt haben wir somit bereits gesehen und es wird sich in den nächsten Monaten ein Aufwärtstrend etablieren.

Wie bereits im letzten Marktasublick angekündigt reagieren viele Bankpartner bereits mit zum Teil sehr kräftigen Anhebungen der Finanzierungs-Konditionen.

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