Vorgetäuschte Ruhe an den Zinsmärkten
Verfasst von Finanzberater Bruno Baidenger am 30.07.2010Seit drei Monaten bewegen sich die Kapitalmarktzinsen und damit ebenfalls die Baugeldzinsen auf einem historisch tiefen Niveau ohne größere Ausschläge praktisch seitwärts. Diese Phase des Durchatmens nach einer fulminanten Phase stark fallender Zinsen, die die 10-jährigen Pfandbriefrenditen in neun Monaten von 4,25% auf 3,00% gebracht hatte, sollte aber nicht missverstanden werden. Sowohl Investoren als auch Kreditnehmer stehen vor einer sehr schwierigen Entscheidung. Sollen sie auf stabile oder sogar noch weiter fallende Zinsen setzen, oder ist es Zeit, die Gewinne mitzunehmen und sich für einen drohenden und unausweichlichen Zinsanstieg zu positionieren? Die großen Notenbanken halten zwar vorerst an ihrer zur Stimulierung gedachten Null-Zins-Politik fest. Doch eines ist klar: Spätestens seit die Politiker im Mai im Rahmen des Euro-Rettungspakets die Europäische Zentralbank gekapert haben, fehlt das mahnende Gewissen. Die Politiker weltweit glauben fest daran, dass sie aus der Schuldenkrise herauswachsen können, wenn die Wirtschaft nur schnell genug wieder Fahrt aufnimmt. Einige, besonders US-Präsident Obama, glauben sogar daran, dass sie noch rasch weitere Schulden machen müssen, um die Wirtschaft ein weiteres Mal zu stützen und danach die Schulden in Ruhe abbauen zu können. Dabei wird von beratenden Ökonomen wie Paul Krugman gerne mit der Depression der 30er Jahre argumentiert. US-Notenbank-Chef Ben Bernanke ist ebenfalls Teil dieser Denkschule und wird weiterhin die Notenpresse laufen lassen, um ja nicht in den Verdacht zu geraten, dass er persönlich Schuld an einer zweiten Rezession in den USA trägt. So haben wir die sonderbare Situation, dass heute jeder Kommentator Alan Greenspan und seine lockere Geldpolitik als den Schöpfer der großen Blasen der vergangenen 15 Jahre sieht, gleichzeitig aber die aktuelle Schöpfung der ultimativ größten Liquiditätsblase als "alternativlos" gesehen wird.
FED in der Pflicht
Verfasst von Finanzberater Bruno Baidenger am 23.07.2010Nachdem in den vergangenen Wochen immer klarer wurde, dass die US-Wirtschaft keine Wachstumsdynamik findet, hat sich jetzt Notenbank-Chef Ben Bernanke zu Wort gemeldet. Er bestätigte, dass die Gefahr einer erneuten Abschwächung der Konjunktur besteht und kündigte an, dass die US-Notenbank beherzt dagegen vorgehen wird. Da die Leitzinsen bereits bei 0,25 Prozent liegen, bleibt außer guten Worten eigentlich nur noch die Möglichkeit, den Aufkauf von Hypotheken- und Staatsanleihen zu steigern. Das Gelddrucken der Amerikaner wird also intensiviert.
Bewegung im Immobilienmarkt?
Verfasst von Finanzberater Bruno Baidenger am 16.07.2010Trotz leichter Schwankungen im Wochenverlauf schließt der Zinsmarkt praktisch unverändert zum vergangenen Freitag. Und trotz schwacher Konjunkturzahlen in den USA und einem im Gegensatz zu den Erwartungen im zweiten Quartal etwas schwächeren Wirtschaftswachstum in China zeigten sich die Investoren doch risikobereiter. Leichte Kursgewinne an den Aktienmärkten und eine gute Nachfrage nach höher verzinsten Anleihen schwächerer Schuldner waren die Folge. Auch am signifikanten Wertzuwachs des Euro gegenüber dem US-Dollar ist diese Tendenz zu erkennen. Das hat zu einer recht deutlichen Korrektur des Goldpreises geführt, der von einem Höchststand von 1.040 Euro pro Unze auf jetzt 920 Euro korrigiert hat. Der Euro hat selbst gegenüber Schweizer Franken und Sterling im Wochenverlauf deutlich gewonnen. Offensichtlich haben viele Investoren zuletzt doch gemerkt, dass der Euro nicht nur aus Griechenland, Portugal und Spanien besteht, sondern auch Globalisierungsgewinner wie Deutschland und Holland enthält, die sich zuletzt sehr viel besser schlugen als die USA. Die alte D-Mark wäre daher sicher derzeit ähnlich stark wie der Schweizer Franken. Von den Notenbanken ist vorerst keine Gefahr für den Zinsmarkt zu erkennen.
Gesundheitsreform Beitrag steigt 2011 deutlich an
Verfasst von Finanzberater Bruno Baidenger am 12.07.2010Der Einheitsbeitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung soll zum 1. Januar 2011 auf 15,5 Prozent steigen. Die bisherige Begrenzung des persönlichen Zusatzbeitrags von 1 Prozent des Einkommens entfällt. Zusatzbeiträge werden somit ab 2011 einkommensunabhängig erhoben und sind allein vom Versicherten zu tragen. Erst wenn der Zusatzbeitrag 2 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens übersteigen, soll ein Ausgleich aus Steuermitteln erfolgen.
Der Gesetzgeber reagiert damit auf das für 2011 zu erwartende Defizit von ca. 11 Mrd. EUR in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die fehlenden Einnahmen der nächsten Jahre sollen durch höhere Zusatzbeiträge direkt von den Versicherten beglichen werden.
Der monatliche Höchstbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung würde damit um 22,50 EUR auf 581,25 EUR steigen. Hinzu können noch einmal bis zu 75 EUR an monatlichem Zusatzbeitrag kommen, ohne dass die Ausgleichsregelung für den Versicherten greift. Somit kann inkl. Pflegeversicherung künftig ein Monatsbeitrag von bis zu 738,75 EUR erreicht werden (= Beitragssatz von bis zu 19,7 Prozent)!
EZB belässt Leitzinsen auf 1 Prozent
Verfasst von Finanzberater Bruno Baidenger am 09.07.2010Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank (EZB) gestern die Leitzinsen für den Euroraum unverändert bei 1,0% belassen. Damit bleibt die EZB auf ihrem eingeschlagenen Kurs und wir rechnen auch für das zweite Halbjahr nicht mit einer Anhebung des Leitzinssatzes. Vor diesem Hintergrund fragen Investoren weiterhin auch lange Zinsbindungen am Anleihemarkt nach, auch wenn die aktuellen Zinsniveaus bereits einen Rückfall in die Rezession einpreisen. Die Rendite für 10-jährige Bundesanleihen ist inzwischen auf unter 2,60% gefallen und hat damit ein historisch tiefes Niveau erreicht. Da jedoch in vielen europäischen Ländern der Risikoaufschlag aufgrund der schwachen Konjunkturentwicklung und angespannten Budgetsituation deutlich angestiegen ist, profitieren heute hauptsächlich die alten D-Mark-Block-Länder Deutschland und Holland von diesen extrem tiefen Zinsen. Das wird die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder in den nächsten Jahren noch mehr steigern. De facto profitieren Deutschland und Holland von einem Euro, der viel schwächer ist, als die alte D-Mark heute sein würde. Wo die D-Mark notieren würde, kann man am besten am Schweizer Franken ablesen, der in den vergangenen 12 Monaten zu einer Quasi-D-Mark geworden ist und damit eben auch gegen den Euro deutlich an Wert gewonnen hat. Da aber immer mehr Investoren realisieren, dass der Euro nicht nur aus Spanien, Griechenland und Italien besteht, sondern auch Deutschland, Holland, Belgien und Österreich enthält, hat sich die Erholung gegen den US-Dollar auf inzwischen 1,27 fortgesetzt.
USA vor Rückfall in Rezession?
Verfasst von Finanzberater Bruno Baidenger am 02.07.2010Nach den neuesten Konjunkturindikatoren dieser Woche hat sich bestätigt, dass die USA der schwache Punkt in der Weltkonjunktur bleiben. Schlechte Zahlen vom Arbeitsmarkt, geringere Konsumnachfrage und Druck auf den Immobilienmarkt erhöhen drei Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise die Gefahr eines neuerlichen Rückfalls in die Rezession. Die Arbeitslosenquote bleibt hartnäckig bei 10 Prozent und bremst damit den Konsum deutlich. Das Auslaufen von staatlichen Subventionen für den Immobilienerwerb im Mai hat zu einem drastischen Einbruch der Nachfrage geführt und die Neubautätigkeit ist so niedrig wie in den 70er Jahren. Damit wird auch für die USA immer klarer: Geplatzte Immobilienblasen lassen sich nicht in einigen Jahren bewältigen, sondern ziehen sich oft über Jahrzehnte. Eine Erfahrung, die Japan seit 20 Jahren begleitet und die auch Deutschland mit dem Einbruch am ostdeutschen Immobilienmarkt nur langsam verarbeiten konnte. Vor diesem Hintergrund wird auch das ständige Rufen von Barack Obama nach weiteren Konjunkturprogrammen in Europa und Asien klar. Die USA suchen dringend nach Quellen für Wachstum, da sie von einer nachhaltig angeschlagenen Binnennachfrage ausgehen müssen. Die Börsen und der Devisenmarkt haben bereits reagiert. Sowohl die US-Börse als auch die europäischen Marktplätze haben im Wochenverlauf deutliche Rückschläge einstecken müssen. Der Euro hat mit rund 1,25 gegen den US-Dollar wieder Boden gewonnen und die Nachfrage nach Staatsanleihen als Hort der Sicherheit hat die Zinsen wieder sinken lassen.
Toronto-Gipfel Was bringt der?
Verfasst von Finanzberater Bruno Baidenger am 25.06.2010Schon seit Tagen wirft der am Wochenende in Toronto stattfindende kombinierte G-8 und G-20-Gipfel seinen Schatten auf die Geschehnisse an den Kapitalmärkten voraus. Dort treffen zwei sehr unterschiedliche Denkmuster aufeinander und es zeichnet sich eine durchaus heftige Diskussion über die weitere Bekämpfung der Finanz- und Wirtschaftskrise ab. Während die Europäer fast durchgehend auf einen Konsolidierungskurs bei den Staatshaushalten umgeschwenkt sind und damit auch niedrigeres Wachstum bewusst riskieren, wollen die Amerikaner die Konjunktur weiter staatlich stützen und halten eine Budgetkonsolidierung für völlig verfrüht. Sie befürchten einen Rückfall in die Rezession und zeigen besonders auf die Länder mit starken Leistungsbilanzüberschüssen, denen sie unkooperatives Handeln vorwerfen. China, in den vergangenen zwölf Monaten der Hauptadressat dieser Vorwürfe, hat sich durch die Ankündigung einer Aufhebung der Yuan-Dollar-Bindung und einer damit erwarteten schrittweisen Aufwertung des Yuan, noch kurz vor dem Gipfel aus der Schusslinie gebracht. Deutschland steht aber als "Klassensprecher" der EU jetzt im Zentrum der Kritik. Doch auch das amerikafreundliche Großbritannien ist unter der neuen Regierung Cameron sehr schnell in das Camp der Konsolidierer übergelaufen. Da die USA mit einer hohen Arbeitslosigkeit und einer extrem hohen privaten Verschuldung unbedingt auf Wirtschaftswachstum angewiesen sind, fühlt man sich dort alleingelassen. Genauso braucht China Wachstum um jeden Preis und hat mit seinen Konjunkturpaketen in 2009 dafür gesorgt - auch zum Nutzen der deutschen und europäischen Exportindustrie. Deutsche Autobauer sind die prominentesten Profiteure.
Druck auf den Euro lässt kurz nach
Verfasst von Finanzberater Bruno Baidenger am 18.06.2010In der vergangenen Woche ist es sowohl am Devisen- als auch am Zinsmarkt zu einer Atempause gekommen. Fast scheint es so, als ob die Euro-Bären kurzfristig ermüdet sind und einige davon auch Gewinne auf ihren Positionen gegen den US-Dollar mitgenommen hätten. Gleichzeitig sind auch die Fluchtkäufer von deutschen Bundesanleihen erlahmt. Dies hat die Zinsen in Deutschland um rund 0,15 Prozentpunkte ansteigen lassen. Offensichtlich warten viele Investoren, die grundsätzlich mit einem weiteren Rückgang des Euro rechnen, ab, ob es von den EU-Politikern weitere Hinweise gibt, wie sie mit der Schuldenkrise und dabei vor allem mit den Herausforderungen Spaniens umgehen wollen. In solchen Marktphasen sind Gewinnmitnahmen daher verständlich. Dies führt zu einer gefühlten Entspannung an den Märkten. Wir gehen allerdings nicht davon aus, dass diese Ruhe lange anhält. Für Euro-Bären ist ein Wechselkurs von 1,23 gegen den Dollar eher wieder eine Einladung, neue Euro-Short Positionen aufzubauen. Schließlich erwarten diese Investoren auf jeden Fall eine 1:1-Relation der beiden Währungen. Mehr Unruhe am Devisenmarkt wird aber auch die Stimmung an den Aktienmärkten eintrüben und dann sind Bundesanleihen wieder gesucht. Wir rechnen daher in den nächsten Wochen mit durchaus stärkeren Tagesschwankungen am Zinsmarkt, wobei wir uns gemessen am Bund-Future zwischen 127,70 und 130,00 Punkten bewegen sollten. Dass Gold im Wochenverlauf fast auf den alten Höchststand von 1.250 Dollar geklettert ist, deutet auf die stetige Sorge hin, die unter einer ruhigeren Oberfläche regiert.
Leitzins bleibt unverändert
Verfasst von Finanzberater Bruno Baidenger am 11.06.2010In der gestrigen Sitzung des Zentralbankrates hat EZB-Präsident Trichet den Leitzins von 1,0% für angemessen erklärt und damit Spekulationen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins noch einmal senken könnte, vorerst den Boden entzogen. Da gleichzeitig aus China hohe Zuwächse im Export gemeldet wurden, die auf steigende Nachfrage in den USA und in Europa hindeuten, haben im Wochenverlauf wieder die Konjunkturoptimisten die Oberhand gewonnen und ein leichter Zinsanstieg war die Folge. Der Bund-Future hat sich bei rund 128,50 Punkten eingependelt, nachdem er am Wochenanfang sogar die Marke von 130 Punkten überschritten hatte. Allgemein beschäftigt die Marktteilnehmer weiterhin die Frage der Staatsverschuldung. Besonderes Augenmerk gilt dabei Spanien. Für viele Beobachter wird sich an Spanien die weitere Entwicklung des Euros und der Währungsunion entscheiden. Während Griechenland und Portugal noch klein genug sind, um eventuell auch längerfristig von Kerneuropa mitfinanziert werden zu können und so die Einheit nicht zu gefährden, erscheint das bei Spanien nur schwer möglich. Spanien befindet sich seit mehr als zwei Jahren in Rezession, hat mit 20% die höchste Arbeitslosigkeit und leidet unter einer geplatzten Immobilienblase, die auch viele Spanier privat auf einem Schuldenberg sitzen lässt. Die dringend notwendigen Reformen am Arbeitsmarkt finden derzeit keine politische Mehrheit und machen das Krisenmanagement für Regierungschef Zapatero immer schwieriger. Auch die mittelfristige Gesundheit des spanischen Bankensektors wirft große Fragezeichen auf und hat bereits zu Spannungen im Interbanken-Markt geführt. Sollten die Strukturreformen nicht schnell zu Erfolgen führen, so wird die Staatsverschuldung in Spanien rasch wachsen und zu einem weiteren Test der neu gebildeten Transfergemeinschaft Euroraum werden.
Baidenger Finanzberatung ist umgezogen
Verfasst von Finanzberater Bruno Baidenger am 01.06.2010Aufgrund der hohen Termin-Nachfrage in meinen Räumlichkeiten habe ich mich für ein verkehrsgünstigeres Büro entschieden. Ab dem 01.06.2010 steht Ihnen die Baidenger Finanzberatung in der Karlsruher Straße 75, in 76139 Karlsruhe zur Verfügung. Bitte senden Sie zukünftig sämtlichen Schriftverkehr an diese Adresse.
Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit auch bei Ihnen, meinen Klienten für das mir entgegengebrachte Vertrauen bedanken und freue mich auf eine weiterhin, sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit. Das Jahr 2010 wird wohl noch einige Überraschungen aber auch Chancen für uns bereithalten. Falls Sie Fragen zur aktuellen Lage an den Finanzmärkten und den sich daraus ggf. für Sie ergebenden Konsequenzen haben sollten, können Sie mich jederzeit gerne kontaktieren.


