Zinsen steigen wieder leicht an

Angesichts einer positiven Börsenentwicklung und fehlender negativer Wirtschaftskennzahlen war diese Woche eine geringere Nachfrage im Staatsanleihenbereich zu verzeichnen. Ein leichter Anstieg der Renditen war die Folge. Auch die Anhebung des Diskontsatzes in den USA von 0,50 auf nunmehr 0,75 Prozent hat zu dieser Entwicklung beigetragen. Die US-Notenbank hat diesen Schritt als rein technische Korrektur bezeichnet und betont, dass sie daran festhalten wird, die Leitzinsen für einen langen Zeitraum außerordentlich niedrig zu halten.

Der Euro wird schwächer

Auch diese Woche wurden die Bewegungen am Zinsmarkt von der Griechenland-Krise dominiert. Die europäischen Politiker haben inzwischen die Brisanz dieses Themas erkannt und versuchen jetzt mit Worten und vagen Ankündigungen die Spekulation über Griechenland und den Euro zu stoppen. Zwar ist es ihnen mit Unterstützungsbekundungen momentan gelungen die Risikoprämien, die Investoren für griechische Anleihen verlangen, wieder zu stabilisieren - der Druck auf den Euro hat aber noch nicht nachgelassen. Mit einem Wechselkurs von derzeit 1,35 gegenüber dem Dollar hat der Euro seit Beginn der Defizitdiskussion rund 10% gegenüber der US-Währung verloren. Europäischen Exporteuren ist das zwar recht, die Dynamik des Euro-Rückgangs zeigt aber vor allem, welche Verunsicherung gerade in Bezug auf die Stabilität der europäischen Währungsunion entstanden ist. Dabei ist besonders auch die EU-Kommission zu kritisieren, die in einer unentschuldbaren Nachlässigkeit jahrelang völlig falsche Defizitzahlen der Griechen akzeptiert hat und damit das Vertrauen in EU-Statistiken unterminiert hat. Da noch dazu im vierten Quartal der zarte Aufschwung in Europa schon wieder in Stagnation übergegangen ist, entscheiden sich auch aus diesem Grund mehr Investoren für Dollar-Anlagen. Griechenland hat das Thema Defizitabbau in Euroland zum großen Diskussionspunkt gemacht. Wenn die Regierungen diesen Defizitabbau in den nächsten Jahren ernsthaft umsetzen wollen, wird das Wachstum kosten. Es wird weder Spielraum für große Konjunkturpakete noch für Steuersenkungen geben. Das bedeutet, dass sowohl die öffentliche wie auch die private Nachfrage wenig Impulse setzen werden.

Qualitätspapiere dominieren den Zinsmarkt

Auch diese Woche haben skeptische Investoren die strukturellen Defizite in Griechenland, Spanien und Portugal zum Anlass genommen, um Anleihen dieser Länder abzustoßen und im Gegenzug deutsche Bundesanleihen zu kaufen. Sinkende Renditen in Deutschland sind die Folge. Dazu kamen noch schwache Zahlen zur deutschen Industrieproduktion, ein gemischter Arbeitsmarkt-Report in den USA und sehr schwache Aktienmärkte. Investoren weltweit sind Anfang Februar damit wieder viel vorsichtiger geworden und weniger überzeugt von einer selbsttragenden Erholung in den USA und Euroland.

Schwache Börsen stützen den Anleihemarkt

Die Börsen sind enttäuschend in das neue Jahr gestartet und finden sich rund 8% unter den Jahresendkursen von 2009 wieder. Damit zeigt sich, dass im starken Kursaufschwung sehr hohe Erwartungen an die Performance der Unternehmen aufgebaut wurden, die sich bisher nicht erfüllten. In solchen unsicheren Phasen an der Börse parken Investoren die Liquidität gerne in hochqualitativen Staatsanleihen. Damit sind die Renditen in den vergangenen Wochen rund 0,20 Prozentpunkte gesunken. Deutsche Bundesanleihen haben dabei auch noch von der Krise in Griechenland profitiert, wo die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen drastisch angestiegen sind. Deutschland wird dagegen als bester Schuldner in Euroland gesehen und Bundesanleihen stehen daher bei konservativen Anlegern ganz hoch im Kurs. Da aus den Konjunkturindikatoren zwar eine leichte Verbesserung, aber keine wirklich dynamische Erholung zu erkennen ist, setzt sich im Markt immer stärker die Meinung durch, dass die Notenbanken im gesamten Jahr 2010 nur wenig Spielraum für eine Leitzinserhöhung haben werden. Auch das stützt vorerst die Nachfrage nach längeren Laufzeiten am Anleihemarkt. Für die nächsten Monate bleiben aber zwei Themen bestimmend: Wie bekommen die Staaten die ausufernden Budgetdefizite in den Griff? Und wie würde die Politik damit umgehen, sollte sich herausstellen, dass die bisherigen Stützungspakete keinen anhaltenden Erfolg bringen und neue Hilfe notwendig ist? Dann würde die Investorenmeinung immer stärker von einer Kombination aus Stagnation und mittelfristiger Inflationsangst über ausufernde Staatsschulden beherrscht. Dies wäre weder für Aktien noch für Anleihen ein gutes Umfeld. Vielmehr würde das zu einer noch steileren Zinskurve, also höheren Langfristzinsen bei weiterhin tiefen Leitzinsen führen.

Immer wieder Griechenland am Zinsmarkt

Griechenland bleibt vorerst ein großes Thema für den europäischen Zinsmarkt. Die wachsenden Zweifel an der Fähigkeit Griechenlands, seine Schulden bedienen und künftig zu ordentlichen Konditionen neue Kredite aufnehmen zu können, haben viele Investoren zu Verkäufen griechischer Anleihen bewogen. Der Zinsabstand zu deutschen Bundesanleihen ist auf mehr als drei Prozent angewachsen. Damit muss Griechenland derzeit praktisch doppelt so hohe Zinsen zahlen wie Deutschland. Da Investoren auch auf eine Verschlechterung der Bonität in Ländern wie Spanien und Portugal setzen, steigt im Gegenzug die Nachfrage nach den im Euroraum als beste Qualität angesehenen deutschen Bundesanleihen. In der Folge sind die Zinsen für längere Laufzeiten in dieser Woche um rund zehn Renditestellen gefallen. Dies hat auch die Konditionen für Baugeld leicht sinken lassen. Die Griechenland-Krise zeigt seit einigen Monaten immer stärker die Schwierigkeiten auf, die sich aus der gemeinsamen Währung für die Mitgliedsländer gerade in der Stresssituation des aktuellen Wirtschaftseinbruches ergeben. Das Ventil Währungsabwertung aus früheren Tagen steht einzelnen Ländern nicht mehr zur Verfügung. Damit bleiben nur Sparprogramme übrig, um verlorene Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen und die Verschuldung in den Griff zu bekommen. Da derzeit viele Marktteilnehmer davon ausgehen, dass Europa und Europäische Zentralbank Griechenland in der einen oder anderen Form stützen werden, leidet aktuell auch der Euro gegenüber dem Dollar. Es sieht so aus, als ob nach den Rettungspaketen 2008 und 2009 für Banken und einzelne osteuropäische Länder in diesem Jahr die nächste Stufe, nämlich Rettungspakete für Länder in Euroland, erreicht wird.

Konjunktur beeinflusst den Zinsmarkt

Die Zinsmärkte sind weiterhin im Spannungsfeld der Konjunkturerwartungen. Im Dezember waren die Zinssätze für kurze Laufzeiten um rund 0,25 Prozentpunkte angestiegen. Diese Bewegung hast sich in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres schon wieder umgekehrt. Ende des vierten Quartals 2009 sahen die Investoren das Konjunkturglas halb voll und tippten auf eine erste Leitzinserhöhung der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) für Sommer 2010. Nun festigt sich die Überzeugung, dass frühestens im vierten Quartal 2010 der erste Zinsschritt kommen könnte. Damit fühlen sich die eher nervösen Anleger in lang laufenden Anleihen wieder etwas sicherer und die Zinsen für diese Instrumente sind zuletzt um rund 0,15 Prozentpunkte gefallen. Die weltweite Konjunkturentwicklung zeigt weiterhin eine klare Zweiteilung. Die USA, Europa und Japan, also die alten Industrieländer, bauen immer noch Arbeitsplätze ab und belasten so den privaten Konsum und damit ihre Wachstumspotentiale. China, Indien, Brasilien und viele weitere Emerging Markets wachsen dagegen sehr dynamisch und bieten den alten Industrieländern zumindest Exportchancen. Diese Länder profitieren aber auch von den für ihr Wachstum viel zu niedrigen Zinsen, die aufgrund der Dollar-Koppelungen ihrer Währungen eigentlich von der US-Notenbank gesetzt werden. Ähnliches haben wir in den vergangenen zehn Jahren in Euroland gesehen, wo Länder wie Spanien, Irland, Portugal oder Griechenland von Euro-Zinsen profitiert haben, die in Bezug auf ihr eigenes Wachstumstempo viel zu tief waren und zu spekulativen Entwicklungen führten, die geplatzt sind. Im Kern ist die US-Notenbank die Welt-Notenbank geworden, die einerseits die dramatisch angeschlagene US-Wirtschaft unterstützen soll, andererseits für Blasenbildungen in China und den aufstrebenden Märkten verantwortlich gemacht werden wird. Solange die US-Notenbank bei den Leitzinsen tief bleibt, kann auch die EZB nur still halten, will sie nicht einen deutlich stärkeren Euro und damit einen Konjunkturdämpfer für Europa produzieren. Die Notenbanken sind nicht zu beneiden. Schwere Monate stehen ihnen bevor.

US-Arbeitsmarkt wieder unter Druck

Die US-Wirtschaft hat im Dezember weitere 85.000 Arbeitsplätze abgebaut. Die Arbeitslosenquote liegt weiterhin mit 10,0% im zweistelligen Bereich. Der Aktienmarkt nimmt eine rasante Erholung der Konjunktur vorweg und die realen Daten enttäuschen. Diese Situation verschärft das Dilemma der Notenbanken. Durch die Null-Zins-Politik flutet sie die Kapitalmärkte mit Liquidität und treiben dadurch die Aktienkurse weltweit nach oben. Die Wachstumsimpulse für die Realwirtschaft sind aber enttäuschend gering. Es bleibt die Frage, ob die Erholung selbsttragend sein wird. Die Notenbanken stehen vor einer fast unlösbaren Aufgabe: Wenn sie bei ihrer Null-Zins-Politik bleiben und die Konjunktur sich fängt wieder überraschend gut fängt, riskieren die Notenbanken einen enormen Inflationsschub, den sie dann nur durch kräftige Zinserhöhungen und weitere Kapitalmarkt Massnahmen wieder in der Griff bekommen können. Wenn die Notenbanken aber die Liquidität zu rasch entziehen und die Konjunktur dadurch absackt, so wird es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Politik kommen, die ihrerseits unter dem bereits bestehenden Budgetdefizit-Druck auf jeden Fall weitere Konjunkturpakete verhindern möchte. Da die Notenbanken in 2010 ihre Käufe am Anleihemarkt reduzieren bzw. einstellen werden, bleibt die Ungewissheit, wer das immense Angebot an neu zu emittierenden Anleihen abnehmen soll. Tendenziell spricht also im Verlauf der nächsten Monate viel für höhere langfristige Zinsen. Nutzen Sie also günstigere Tage am Zinsmarkt, durch die Arbeitsmarktzahlen Anfang der nächsten Woche zur Absicherung Ihrer Baugeldzinsen.

Märkte weiterhin von Liquidität getrieben

Auch diese Woche war wieder klar zu erkennen, dass es an den Kapitalmärkten einen ungeheuren Anlagenotstand gibt. Durch die Nullzinspolitik der Notenbanken werden zwar keine Investitionen angekurbelt, jedoch institutionelle und private Anleger und Sparer immer mehr in Risikoanlagen getrieben. Aktienmärkte sind weltweit schon wieder auf Bewertungsniveaus gestiegen, die eine dramatische Erholung der Unternehmensgewinne in den nächsten Jahren unterstellen. Langfristige Staatsanleihen bieten so wenig Rendite, dass man meinen möchte, es gäbe schon nächstes Jahr kein neues Angebot mehr (wie wir alle wissen, werden in 2010 aber so viele neue Staatsanleihen zu platzieren sein, wie niemals zuvor in der Geschichte). 10-jährige Bundesanleihen und US-Treasuries bei rund 3% passen in keiner Weise zu dem Wachstumsszenario, das die Aktienmärkte vorwegnehmen. Vielmehr unterstellen sie tiefe Leitzinsen für Jahre, Inflation nahe Null und damit Jahre mit sehr sehr niedrigem Wirtschaftswachstum. Trotzdem sind diese Woche die Zinsen für Bundesanleihen über alle Laufzeiten weiter gefallen. Trotzdem werden Unternehmensanleihen, die noch vor neun Monaten mit 8% Verzinsung ausgestattet waren, jetzt von Anlegern mit 4% Rendite gekauft. Kein Risiko scheint zu groß, wenn man damit verhindern kann, das Geld für 0,50% im Geldmarkt parken zu müssen.

Griechenland ist das Sorgenkind der EU

Diese Woche hielten sich die guten und die schlechten Nachrichten für die Zinsmärkte die Waage. Zwar haben die überraschend guten Arbeitsmarktzahlen in den USA letzte Woche den Konjunkturoptimisten neue Argumente für den Verkauf von Anleihen gegeben, die Zweifel an der mittelfristigen Zahlungsfähigkeit Griechenlands haben aber risikoscheue Anleger im Gegenzug schon wieder zum Kauf von sicheren Bundesanleihen bewegt. In diesem Sinne war die vergangene Woche exemplarisch für die hohe Verunsicherung der Investoren. Die Wirtschaft hat sich vom großen Schock wieder etwas erholt, aber die Nachwehen werden überall sichtbar. Gerade bei schwachen Ländern führen die hohen Budgetdefizite - durch wegbrechende Steuereinnahmen und gleichzeitig drastisch steigende Ausgaben - zu einer beschleunigten Zuspitzung der Lage bei den Staatsfinanzen. Griechenland gibt z.B. schon jetzt fast ein Drittel seiner jährlichen Steuereinnahmen nur für Zinszahlungen aus. Dazu kommen angekündigte große Defizite in den nächsten zwei Jahren - und das alles vor dem Hintergrund historisch tiefer Zinsen.

US-Arbeitsmarkt überraschend fest

Nach den Wirren der Dubai-Krise haben sich die Investoren diese Woche wieder auf die Notenbanken und die US-Arbeitsmarktdaten konzentriert. Waren noch vergangene Woche Aktienkurse und Zinsen als Reaktion auf Dubai gesunken, so haben sich diese Risikoprämien in den vergangenen Tagen wieder abgebaut. Schon gestern hat die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren Ankündigungen zum graduellen Abbau der Liquiditätsversorgung im Geldmarkt für einen leichten Anstieg der Renditen gesorgt. Die überraschend gute Entwicklung des US-Arbeitsmarktes im November hat dann heute Nachmittag diesen Trend noch beschleunigt. Die Konditionen für langfristige Zinsbindungen sind um rund 10 Renditestellen angestiegen. Zwar wurden auch im November in den USA noch Jobs abgebaut - mit 11.000 liegt diese Zahl aber signifikant unter der Konsensus-Erwartung von 150.000. Die Konjunkturoptimisten sehen sich damit bestätigt. Das hilft den Aktien und schadet den Anleihen. Die EZB hat gestern ihren Leitzins unverändert bei 1,0% belassen, gleichzeitig aber die Marktteilnehmer darauf eingestimmt, dass sie ab Mitte nächsten Jahres den Geldmarkt immer weniger unterstützen wird.

Krise in Dubai verunsichert die Märkte

Mit der gestrigen Ankündigung des Emirats Dubai, mit den Gläubigern der Staatsholding Dubai World über eine Umschuldung verhandeln zu wollen, ist die Nervosität an die Kapitalmärkte zurückgekehrt. Innerhalb von Stunden kam es zu Kursrückgängen an den Aktienmärkten und zu Kursgewinnen bei Staatsanleihen, die Investoren in solchen Fällen als sicheren Hafen ansehen. Auch wenn die ausstehenden Schulden Dubais mit angeblich rund 50 Mrd. Euro im Vergleich zu den Billionen Eurobeträgen, an die wir uns im Rahmen der Finanzkrise gewöhnt haben, nur gering wirken: Hier geht es um den psychologischen Effekt. Plötzlich wird erkennbar, dass das Fundament, auf dem vermeintliche Boom-Regionen gebaut wurden, Stabilität vermissen lässt. Die Fragen nach der Stabilität der Fundamente Chinas und anderer Hoffnungsträger für die Weltkonjunktur scheinen berechtigt. Die Reaktion der Märkte ist daher ebenso verständlich, wie die Gewinnmitnahmen aufgrund solcher Neuigkeiten nach der starken Rally am Aktienmarkt.

Keine Impulse am Zinsmarkt

Angesichts des Fehlens neuer bewegender Konjunkturdaten haben sich die Investoren diese Woche eher an den Aussagen der Notenbanker orientiert. Dabei wird klar, dass die Zentralbanken mit gekonnter Rhetorik beginnen, die Investoren auf einen graduellen Abbau der geldpolitischen Hilfsmaßnahmen vorzubereiten. Gleichzeitig betonen sie aber, dass derzeit keine Inflationsgefahren bestehen und die Leitzinsen noch länger extrem tief bleiben werden. Die Herausforderung für Ben Bernanke und Jean-Claude Trichet ist klar: Sie müssen die langfristigen Kapitalmarktzinsen so tief wie möglich halten und das Vertrauen der Investoren so stärken, dass diese die Refinanzierungskonditionen für Unternehmen, Banken und auch Staaten mit möglichst geringen Risikoaufschlägen versehen. Viele Banken fahren momentan ihr Kreditgeschäft zurück, um sich von der Krise zu erholen. Daher fällt die volle Belastung auf die Anleihemärkte, wo sich sowohl die Staaten als auch alle anderen mit Rekordvolumina refinanzieren wollen.

Zinsen laufen vorerst seitwärts

Seit Anfang September bewegen sich die langfristigen Kapitalmarktzinsen im Euroraum in einem relativ engen Korridor auf sehr niedrigem Niveau. Diese Seitwärtsbewegung drückt die derzeitige Unsicherheit der Investoren über die zukünftige Konjunktur- und Inflationsentwicklung aus: Auf der einen Seite das Lager der Konjunkturoptimisten, die den Aufschwung sehen und die daher eine baldige Anhebung der Leitzinsen in den USA und Europa erwarten. Auf der anderen Seite die Pessimisten, die die aktuelle Konjunkturverbesserung auf Staatshilfen und Konjunkturpakete zurückführen und nicht an einen selbsttragenden Aufschwung glauben. Sie halten weiter Anleihen für ein gutes Investment und kaufen daher bei Zinsanstiegen nach. Dazu kommt auch noch der ungeheure Anlagenotstand, der von der Nullzinspolitik der Notenbanken provoziert wird. Alle Investoren, institutionelle wie auch private, gehen bereits wieder große Risiken ein, da das Halten von Cash bei einer praktischen Nullverzinsung ihnen zu unattraktiv erscheint.

Optimisten bestimmen den Zinstrend

Trotz klarer Aussagen der Notenbankchefs in den USA, England und Euroland, die Leitzinsen noch länger tief zu halten, spekulieren immer mehr Teilnehmer am Zinsmarkt auf eine nachhaltige Konjunkturerholung. Die Verkäufe am Anleihemarkt haben daher im Wochenverlauf zu steigenden Zinsen gerade für lange Laufzeiten geführt. Auch die Zahlen zum US-Arbeitsmarkt konnten daran nichts ändern. Die Arbeitslosenquote hat mit 10,2 Prozent den höchsten Stand seit 26 Jahren erreicht. Die Konjunkturoptimisten sehen das Glas jedoch weiterhin halbvoll und setzen auf Aktien und gegen Anleihen. Die Richtung am Zinsmarkt wird weiterhin von den USA vorgegeben und die Eurozinsen folgen im Gleichlauf. Für die nächsten Wochen ist eine Fortsetzung dieses Aufwärtstrends zu erwarten.

Zinsmärkte bleiben sehr nervös

Gespannt verfolgen die Investoren und die Notenbanken derzeit die Konjunkturindikatoren und die Preisentwicklung in den verschiedensten Asset-Klassen. Da sowohl die Leitzinsen als auch die Renditen von längerfristigen Staatsanleihen in den USA und in Europa auf oder nahe den historischen Tiefständen stehen, steigt die Nervosität der Anleger in Bezug auf ihre Positionierung am Anleihemarkt. Die enormen Staatsdefizite führen zu nie dagewesenen Volumina an neu aufgelegten Staatsanleihen - und dies zu einem Zeitpunkt, an dem die Renditen historisch tief sind. Nur wenn genug Anleger kaufen, können sich die Zinsniveaus auf diesen tiefen Niveaus halten. Derzeit sorgt die Nullzinspolitik der Notenbanken dafür, dass Anleger für Cash praktisch keine Zinsen mehr bekommen und daher in längere Laufzeiten oder höhere Risikoklassen gedrängt werden. Das stützt die Nachfrage. Aber was passiert, wenn die Notenbanken die Liquidität doch wieder einsammeln müssen, um die mittelfristigen Inflationserwartungen zu kontrollieren? Wer wird noch 10-jährige Bundesanleihen bei 3,30% kaufen, wenn für Cash mal wieder 3% bezahlt werden? Auf fallende Zinsen zu setzen ist, bezogen auf den Zinszyklus der letzten 60 Jahre, eine gewagte Wette.